Seite wählen

Geschrieben von Jakob Reidick

Jakob Reidick ist der Gründer von Investment Master. Er hat jahrelange Investmenterfahrung, ist Buchautor sowie Finanzanalyst.

📅 April 26, 2021

Ja, auch ich möchte mich hiermit mal zum Bitcoin äußern, so wie gefühlt das halbe Internet derzeit. In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen, ob es sich beim Bitcoin eher um „heiße Luft“ bzw. eine Spekulationsblase handelt oder um ein grundsolides Investment. Natürlich ist mir bewusst, dass es sich bei den beiden Dingen um krasse Gegensätze handelt, in der aktuellen Jugendsprache einmal um das Szenario „to the ground“ oder eben „to the moon“. Aber der Reihe nach.

Der Bitcoin wurde 2009 veröffentlicht und ist nicht nur die erste, sondern auch die weltweit wichtigste Kryptowährung. Schöpfer ist eine bis heute unbekannte Person oder Personengruppe mit dem Benutzernamen „Satoshi Nakamoto“. Beim Bitcoin handelt sich um eine dezentrale, digitale Währung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Sie wird nicht von einer Zentralbank oder einem Staat reguliert und ist auf 21 Millionen begrenzt und ist daher nicht inflationär – ganz im Gegensatz zu Euros, Dollars, Yen & Co.

Die Marktkapitalisierung des Bitcoin beträgt derzeit, d. h. Anfang Mai 2021, über eine Billion (!) Euro, womit der Bitcoin die insgesamt acht-größte Assetklasse, nach Silber und vor der Facebook-Aktie, ist. Nachschauen kann man das übrigens unter companiesmarketcap.com/assets-by-market-cap. Daher ist jeder Investor, der den Bitcoin nur als „heiße Luft“ abtut, meiner Meinung nach sehr unseriös, schließlich ist die Marktkapitalisierung dieser „heißen Luft“ doppelt so hoch wie die von J. P. Morgan oder Samsung. Spekulativ war, ist und bleibt der Bitcoin – so wie eigentliche jede Kryptowährung – schon immer. So eine hohe Volatilität ist schon atemberaubend.

Warum es sich beim Bitcoin meines Erachtens dennoch nicht um eine Blase handelt, das möchte ich jetzt erläutern: Streng genommen ist der Bitcoin keine crypto currency, sondern ein crypto asset (also keine Kryptowährung, sondern ein Kryptovermögenswert). Viele sprechen auch vom „digitalen Gold“, was ich genauso sehe. Der Bitcoin an sich ist als Zahlungsmittel gescheitert. Dafür sind die Transaktionsgebühren zu hoch und generell auch zu wenige möglich, nämlich nur fünf pro Sekunde. Zahlungsdienstleister wie Mastercard, American Express und VISA können bedeutend mehr Zahlungen durchführen (mehrere tausend pro Sekunde) und das auch noch zu wesentlich geringeren Kosten. Deswegen sehen den Bitcoin viele , wie erwähnt, jetzt als digitales Gold an, also als digitalen sicheren Hafen und eben nicht mehr als Währung. Seien wir ehrlich: auch Gold wird so gut wie überhaupt nicht zum Bezahlen benutzt, sondern auch nur als sicherer Hafen für das hart erarbeitete Geld. Bitcoin ist sowas wie sein kleiner virtueller Bruder.

Wer also nach wie vor hofft, dass wir den (originalen) Bitcoin einmal weltweit als Zahlungsmittel verwenden werden, der wird vermutlich enttäuscht werden. Aber keine Sorge: es gibt hunderte verschiedene Kryptoprojekte, die genau das versuchen! Zu nennen wären dabei vor allem der Litecoin und Bitcoin Cash. Bei diesen beiden Coins kann man viel eher von crypto currencies reden, die alltagstauglich werden könnten. Dafür weisen diese aber eben auch nicht den Schutzcharakter auf, den uns der klassische Bitcoin mit seiner dreizehnstelligen Marktkapitalisierung und seinem weltberühmten Namen bieten kann.

Wenn man also überlegt, ob man in Bitcoin investieren sollte, oder nicht, dann kann man – wie bei jeder vergleichbaren Frage – nur zu dem Schluss kommen: Es kommt darauf an! Wenn die Zentralbanken weiterhin Billionen an neugedrucktem Geld in Umlauf pumpen, dann sieht es immer mehr nach einem Crash des gesamten weltweiten Finanzsystems aus, wie ihn viele Experten wie Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, Prof. Dr. Thorsten Polleit, Dr. Markus Krall oder auch Florian Homm prognostizieren. Eine Hyperinflation wird immer wahrscheinlicher. Solche möglichen Schreckensszenarien treiben die Anleger nicht nur generell an die Aktienmärkte, sondern zunehmend auch in spekulativere Anlageklassen bzw. eben sichere Häfen wie Bitcoin und Gold, die von einer Hyperinflation der Fiat-Währungen US-Dollar, Euro, Yen etc. eigentlich nur profitieren könnten.

Darüber hinaus geht es natürlich auch um die eigene Risikobereitschaft und wie viel Volatilität man psychisch verkraften kann. Rücksetzer von bis zu 30 % pro Woche oder sogar pro Tag sind im crypto space nicht ungewöhnlich. Als Faustregel gilt: desto jünger man ist, desto risikoreicher sollte man investieren und desto älter man wird, desto konservativer sollte man sein Geld investieren (Dividendenaristokraten, Tagesgeld, Unternehmensanleihen von guter Bonität). Außerdem sollte der Bitcoin an sich nie mehr als 10 – 15 % des Gesamtportfolios ausmachen, den Großteil des Vermögens sollte man – so denke ich – eher in Aktien anlegen.

Was die Kursziele von 100.000 $ bis hin zu einer Million $ angeht, kann ich sagen: Solange wir keine (weiteren) signifikanten Eingriffe der Regierungen in den Kryptohandel, z. B. durch sogenannte unrealized gains taxes (Steuern, die bereits bei Buchgewinnen anfallen) oder ähnlich schlimme Gesetze sehen, kann der Bitcoin meiner Ansicht nach langfristig nur noch und noch weiter steigen. Ein paar hunderttausend $ pro Coin sind durchaus drin. Unser aktuelles Fiat-Geldsystem wackelt und Bitcoin bietet Anlegern eine gute Fluchtmöglichkeit.

Zum Schluss dieses Artikels möchte ich noch zwei themenbezogene Bücher und eine sogenannte Hardwarewallet vorstellen, auf der man Bitcoin, Ethereum & Co. sicher und vor Hackern geschützt lagern kann:

Dr. Julian Hosp: Kryptowährungen: Bitcoin, Ethereum, Blockchain, ICOs & Co. einfach erklärt. Hier erhältlich. *

Dr. Julian Hosp: Blockchain 2.0 – einfach erklärt – mehr als nur Bitcoin […]. Hier erhältlich. *

Ledger Nano S Crypto-Hardwarewallet für Bitcoin, Ethereum, ERC20 etc. Hier erhältlich. *

Hinweise: Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine Anlageempfehlung bzw. eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzproduktes. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Offenlegung: Jakob Reidick ist in Bitcoin (BTC) investiert. Bei den Links zu Amazon.de (mit * kenntlich gemacht) handelt es sich Affiliate-Links aus dem Partnerprogramm.

Weitere spannende Artikel…