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Geschrieben von Jakob Reidick

Jakob Reidick ist der Gründer von Investment Master. Er hat jahrelange Investmenterfahrung, ist Buchautor sowie Finanzanalyst.

📅 Mai 31, 2021

Im Folgenden möchte ich mich der Frage widmen, ob Gewinne durch Aktien, egal ob Renditen und/ oder Dividenden, eigentlich ethisch vertretbar sind. Darüber hinaus möchte ich die Fragestellung „Ist das ethisch vertretbar?“ auf Profit durch jegliche Art von Unternehmertum im Allgemeinen ausrollen.

Aktien (oder „Wertpapiere“) sind Anteilsscheine von Unternehmen. Desto mehr Aktien ich von einem Unternehmen besitze, desto größer wird mein Anteil und falls ich einmal alle Aktien besitzen sollte, bin ich alleiniger Eigentümer jener Aktiengesellschaft (strenggenommen müsste ich dann noch die Schulden respektive Verbindlichkeiten begleichen, die das Unternehmen möglicherweise gegenüber einer Geschäftsbank oder anderen Unternehmen hat, aber das spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle). Böse Zungen behaupten jedoch, dass es ethisch nicht vertretbar wäre, durch den Kauf und anschließenden Verkauf von Aktien Geld zu verdienen. Manche sprechen von Parasitismus.

Der Begriff „Parasitismus“ kommt aus der Biologie und beschreibt eine Situation, in der ein Parasit sich durch das Ausbeuten seines Wirtes einseitig Vorteile verschafft und dabei seinen Wirt – je nachdem – entweder etwas schwächt, krank macht oder langfristig sogar tötet (durch Infektion, Nährstoffentzug oder ähnliches). Allerdings hinkt der Vergleich eines Parasiten mit einem Aktionär stark. Sehr stark. Während ein Parasit seinen Wirt schädigt, so schädigt ein Aktionär sein Unternehmen nicht. Im Gegenteil: Unternehmen brauchen Aktionäre, sie gehen ja überhaupt erst an die Börse, um sich Kapital zu beschaffen. Außerdem gehen Aktionäre auch gleich mehrere Risiken ein, wenn sie sich an einem Unternehmen beteiligen. Gewinne sind niemals garantiert. Zugegeben: Die meisten Aktionäre machen durch das langfristige Halten ihrer Unternehmensanteile guten Profit, aber selbst bei Unternehmen, die solide wirken, sind Totalverluste aufseiten der Aktionäre nie ganz auszuschließen. Ein relativ aktuelles Beispiel aus Deutschland: Wirecard. Biologisch gesprochen ist das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kapitalgeber also ganz klar eine Symbiose.

Gut, aber sind Gewinne durch Aktien oder durch Unternehmertum nun ethisch vertretbar, oder nicht? Meine Antwort lautet ganz eindeutig: Ja. Für mich sind Gewinne, welche innerhalb eines freien Markets (und ein kapitalistisches Wirtschaftssystem bietet solch einen freien Markt) erwirtschaftet wurden, immer absolut in Ordnung und sogar richtig und wichtig. Vorausgesetzt natürlich, die Transaktionen und der Wettbewerb finden unter gleichen Bedingungen für alle sowie ohne jegliche Form von Zwang statt. Im Kapitalismus wird Person A ja nicht gezwungen, von Person B zu kaufen, sondern kann entweder von Person C oder D kaufen, oder auch gar nichts. Im Kapitalismus finden Käufe und Verkäufe daher in den allermeisten Fällen freiwillig und mit Vorteilen für beide Seiten statt. Ein weiteres Beispiel: Ein Mann kauft ein Brot beim Bäcker für fünf Euro. Der Bäcker ist zufrieden, denn er musste für die Herstellung des Brotes beispielsweise nur zwei Euro aufwenden und macht somit pro verkauftem Brot drei Euro Umsatz. Der Käufer ist zufrieden, denn das Brot ist ihm offensichtlich mehr wert als die fünf Euro, sonst hätte er es wohl kaum gekauft.

Ein weiteres Argument, welches dafür spricht, dass Profite nahezu immer ethisch vertretbar sind, lautet, dass der Mensch von Natur aus gewinnorientiert handelt. Es klingt banal, aber wenn ein Mensch einkaufen geht oder sich ein Auto kauft, dann ist selbst das am Ende gewinnorientiert. Es gibt ja nicht nur monetäre Gewinne und Verluste, sondern auch emotionale. Wenn ein freier Mensch in einem freien Land ein Auto kauft, dann tut er es, weil er sich im Endeffekt einen Nutzen dadurch verspricht, also einen Gewinn. Der Kauf ist also in jedem Fall eine Investition. Würde ihm das Auto nichts bringen, würde er es wohl kaum kaufen.

Im Sozialismus wiederum wird das universelle Prinzip „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis einer Ware“ ausgehebelt. Der Staat ist Eigentümer aller Fabriken, Immobilien etc. und Privateigentum wird nicht geduldet. So werden auch die Preise staatlich festgesetzt – das können wir heute noch auf Kuba und in Nordkorea beobachten. Gewinnorientiertes Unternehmertum (und eigentlich muss Unternehmertum per definitionem gewinnorientiert sein) ist ebenfalls verboten, weil Profite, die sich eine Privatperson in die Tasche stopft, im Sozialismus eben nicht als ethisch vertretbar gesehen werden. Bewerten möchte ich den Sozialismus in diesem Artikel eher weniger, aber zu den wohlhabendsten, sichersten und freisten Ländern zählen nur Länder mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung, während sozialistische Staaten ausnahmslos arm, chaotisch und unfrei sind.

Empfohlene Literatur zum Thema:

„Kapitalismus und Freiheit“ von Milton Friedman

„Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ von Rainer Zitelmann

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