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Geschrieben von Jakob Reidick

Jakob Reidick ist der Gründer von Investment Master. Er hat jahrelange Investmenterfahrung, ist Buchautor sowie Finanzanalyst.

📅 Mai 15, 2021

Im heutigen Artikel möchte ich der Frage nachgehen, ob sich auch in diesem Jahr noch ein investives Engagement in der Volksrepublik lohnen kann. China ist nach dem kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP PPP) seit einigen Jahren bereits die größte Volkswirtschaft. 2019 wurde es vom Internationalen Währungsfonds auf 23 Billionen Dollar geschätzt und lag damit ungefähr zwei Billionen Dollar über dem US-amerikanischen bereinigtem BIP. Im Vergleich zum Vorjahr, damals 2018, wuchs es auch um vier Prozentpunkte mehr, als jenes der USA – 6,11 Prozent versus 2,16 Prozent.

Wie unglaublich das Wachstum und wie konsequent der Aufstieg Chinas war und ist, zeigt sich ganz besonders an einer Stadt: Shenzhen. Du kennst Shenzhen nicht? Kein Wunder. Kaum ein Deutscher kennt die Sonderwirtschaftszone, obwohl sie offiziell über zwölf Millionen Einwohner beheimatet, laut Gerüchten sogar über 20 Millionen. Sie liegt im Südosten Chinas in der Nähe von Hong Kong und Macau – zwei weiteren Sonderverwaltungszonen. Sie ist der Hauptsitz von international bekannten Firmen wie Tencent (Social Media und Gaming) und DJI (Weltmarktführer für zivile Drohnen).

Warum ich Shenzhen erwähne? Weil die Stadt ein exzellentes Beispiel für die chinesische Power ist. Gegen Shenzhen ist selbst das Silicon Valley in Kalifornien Schnee von gestern. Hier werden Verkehrsrowdys von Drohnen verfolgt, Hochhäuser im Rekordtempo hochgezogen, in der Nähe stehen die größten und modernsten Fabriken der Welt und das wichtigste: in Shenzhen wird Unternehmertum gerne gesehen und aktiv gefördert. Unglaublich ist auch: im Stadtgebiet alleine gibt es mehr Elektrobusse als in ganz Europa zusammen. All das und mehr hat Wolfgang Hirn in seinem Buch „Shenzhen: Die Weltwirtschaft von morgen“ beschrieben, welches im März 2020 im campus-Verlag erschienen ist. Ich habe das Buch selbst gelesen und kann es an dieser Stelle nur empfehlen. Aber weiter im Kontext.

Das Wachstum Chinas scheint kaum Grenzen zu kennen und der staatlich gelenkte Kapitalismus hat sich als Erfolgsrezept herausgestellt. China nennt sich zwar kommunistisch, aber vom Kommunismus ist wenig übrig geblieben. Eines der Überbleibsel ist die Kommunistische Partei Chinas (KPD), die bekanntlich auch die einzige Partei ist, die es geben darf. Mit Deng Xiaopings Regentschaft von 1979 bis zum zu seinem Tod im Jahre 1997 hat die KPD allerdings insbesondere wirtschaftlich dem Kommunismus ein für alle Mal den Rücken gekehrt. Eine gute Entscheidung, schließlich sind durch die sozialistischen Experimente seines Vorgängers Mao Zedong über 36 Millionen Chinesen verhungert. Der amtierende Präsident, Xi Jinping, scheint sich allerdings offensichtlicher und glücklicherweise nicht an Maos, sondern an der Politik Dengs zu orientieren.

Für die kommenden Jahre gibt es eigentlich keinen Grund, warum Chinas Wachstum enden sollte. Große Tech-Konzerne à la Baidu, Alibaba, BYD, Huawei und vor allem Tencent befinden sich auf Expansionskurs. Auch das chinesische Engagement in Afrika ist interessant – die Neue Seidenstraße sollte man auch nicht vergessen. Egal, was man von diesen groß angelegten Projekten halten mag, man muss sie auf dem Radar haben. Außerdem sind viele chinesische Aktien günstiger bewertet als amerikanische. Das spiegelt sich auch bei den bekannten Exchange Traded Funds iShares Core MSCI World und iShares Core MSCI Emerging Markets wider. Die World-Variante wird von US-amerikanischen Werten wie Apple und Microsoft dominiert und kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27, die Emerging Markets-Variante, welche von chinesischen Werten dominiert wird, kommt auf ein gesamt-KGV von 18, ist also wesentlich günstiger.

Meine Antwort auf die Titelfrage „Sollte man 2021 noch in China investieren?“ lautet also: Ja, man sollte das tun, denn China hat weiterhin großes Wachstumspotenzial und Städte wie Shenzhen zeigen, dass China uns viele Jahre voraus ist. Es klingt hart, aber die Vorherrschaft des Westens scheint sich dem Ende zu nähern. Das muss man als Investor rational und emotionslos anerkennen, ob es einem nun passt, oder nicht.

Hinweise: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Es handelt sich nicht um eine Anlageberatung. Bei dem Link zu Amazon.de handelt es sich um einen Affiliate-Link aus dem Partnerprogramm.

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